Forschung
Im Auftrag von Van Es Architects, Transect BV Im Juli 2018 wurde in einem Plangebiet am Tolsteeg 6 in Gorinchem eine archäologische Schreibtischstudie (BO) durchgeführt. Anlass der Untersuchung ist der Funktionswandel vom Einrichtungshaus zum Wohnhaus mit Atelier. Auch Garagen werden gebaut. Die vorliegende Studie wurde im Rahmen der hierfür erforderlichen Umweltgenehmigung durchgeführt.
Gemäß dem Bebauungsplan Binnenstad eo (2015) hat das Plangebiet einen archäologischen Wert (doppelter Bezeichnungswert – archäologische Erwartung sehr hoch LMNT1). Der archäologische Wert kann im Rahmen der Planungen aufgrund des Ausmaßes der geplanten Bodeneingriffe beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund sind archäologische Voruntersuchungen notwendig, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob und in welchem Ausmaß durch die Arbeiten der archäologische Wert im Plangebiet beeinträchtigt wird. In diesem Bericht werden die Ergebnisse der Voruntersuchung beschrieben, auf deren Grundlage die Gemeinde eine Auswahlentscheidung treffen kann.
Fazit
Aufgrund der Sekundärforschung besteht im Plangebiet aufgrund seiner Lage im historischen Zentrum von Gorinchem eine sehr hohe archäologische Erwartung hinsichtlich Funden und/oder Spuren aus dem Spätmittelalter und der Neuzeit. Im Umfeld des Plangebietes sind Funde aus dem Spätmittelalter bekannt und es wurde ein Füllpaket von 2,5 bis 6,5 m Mächtigkeit gefunden. Dieses erhöhte Paket kann vom Bodenniveau aus vorhanden sein. Historische Karten zeigen, dass es im Plangebiet im Jahr 1560 einen Kanal und Gebäude gab, die wahrscheinlich aus dem Spätmittelalter stammen. Möglicherweise sind hiervon noch Spuren und Funde (in der Grabenverfüllung) im Untergrund vorhanden. Das Plangebiet grenzt unmittelbar an die 1609 fertiggestellte Bastion VI (heute Nationaldenkmal).

Detailkarte von Gorinchem von Jacob van Deventer (1558)
Im Untergrund werden auch Uferablagerungen der Linge und Merwede erwartet. Die Ufer der Linge sind seit der Eisenzeit und die Ufer der Merwede seit dem Frühmittelalter bewohnbar. Es ist denkbar, dass im oberen Bereich der Uferablagerungen unter dem mittelalterlichen Hebepaket noch Funde und/oder Spuren aus der Eisenzeit-Frühmittelalter-Periode vorhanden sind, sofern diese nicht durch den Bau der Stadt Gorinchem und ihrer Verteidigungsanlagen beeinträchtigt wurden.
Inwieweit innerhalb des Plangebietes tatsächlich archäologische Werte vorhanden sind, hängt vom Grad der Unversehrtheit des archäologischen Bodenarchivs ab. Örtlich kann es zu Beeinträchtigungen des Bodenarchivs durch die Errichtung der heutigen Gebäude kommen. Angesichts der Mächtigkeit der erhöhten Schicht im Bereich des Plangebiets könnten sich darunter noch archäologische Funde und/oder Spuren befinden. Es ist nicht bekannt, in welchem Ausmaß die Oberseite der darunterliegenden Bankeinlagen durch den Bau des historischen Kerns beeinflusst wurde.
Beratung
Im Plangebiet können archäologische Funde oder Spuren aus dem Spätmittelalter und/oder der Neuzeit vorhanden sein. Die geplante Grabungstiefe von maximal 50 cm–Mv könnte diese archäologischen Werte beeinträchtigen. Schließlich kann das städtebauliche Aufstockungspaket bereits im Erdgeschoss vorhanden sein. Der Wert des Standortes wird durch den aktuellen Bebauungsplan geschützt.
Im Rahmen der zukünftigen Standortplanung ist eine Neubelegung und oberirdische Sanierung des Gebäudes vorgesehen. Auf dem Gelände der aktuellen Gebäude sind keine Bodeneingriffe geplant. Zusätzliche Maßnahmen sind nicht erforderlich, da durch die Bodeneingriffe keine Gefährdung des archäologischen Bodenarchivs besteht. Wird entschieden, ein an das Gebäude angebautes Dach einschließlich des vorhandenen Fundaments zu entfernen, empfiehlt es sich, die Erdarbeiten, soweit sie unterhalb der Geländeoberfläche liegen, unter archäologischer Aufsicht (archäologische Ausgrabung, archäologisches Aufsichtsprotokoll) durchzuführen. Für diese Aktivitäten ist ein Anforderungskatalog (PVE) erforderlich, der die Ausgestaltung und die Randbedingungen der Forschung während der Arbeit festlegt. Diese PVE muss vor Beginn der Arbeiten von der zuständigen Behörde (Gemeinde Gorinchem) genehmigt werden.
Archäologische Führung
Abschließend ist im Plangebiet die Idee vorhanden, eventuell eine Garage zu bauen. Diese Garage wird ausschließlich auf Stahl gegründet, mit einer Frostkante von ca. 40 bis 50 cm -Mv. Da aufgrund der Lage im historischen Zentrum ein sehr hoher archäologischer Anspruch besteht, kann die Nachuntersuchung auch in Form einer Ausgrabung der zu störenden Teile des Geländes erfolgen (archäologische Ausgrabung, archäologisches Überwachungsprotokoll). Innerhalb dieser Planung handelt es sich um die Fundamentgräben der Garage, welche laut Planung die einzigen Eingriffe in den Boden zur Realisierung der Garage darstellen. Es werden keine weiteren Pfähle eingebaut. Während der Arbeiten begleiten Archäologen den Fortschritt der Tiefbauarbeiten und können diese zeitweise unterbrechen, um alle vorhandenen archäologischen Spuren und Funde zu sammeln und zu dokumentieren. Hierzu ist zusätzlich ein Program of Requirements (PVE) erforderlich. Eine Anpassung des Plans ist jedoch dadurch möglich, dass der Aushub des bestehenden Bodens im Plangebiet verhindert wird, indem beispielsweise der zu bebauende Teil des Plangebiets in geringem Umfang angehoben wird, sodass keine Aushubarbeiten mehr erforderlich sind und der Wert des Grundstücks vor Ort unberührt bleibt.
Veröffentlichung
![]() |
Verboom-Jansen, M. (2019) Gorinchem, Tolsteeg 6. Gemeinde Gorinchem (ZH). Eine archäologische Schreibtischstudie (BO), Transektbericht 1787, Nieuwegein. Flipbook | PDF (9 MB) |
Metadaten
| Archis-Nummer(n): | 4619830100 (Forschungsbericht) |
| Topografische Karte: | 38G |
| Koordinaten: | 126.544/426.572 (Mitte) |
| Ortsname: | Tolsteeg 6 |
| Ort: | Gorinchem |
| Gemeinde: | Gorinchem |
| Provinz: | Süd-Holland |
| Art der Forschung: | IVO-B (Desk Research) |
| Testamentsvollstrecker: | Transect BV |
| Projektleiter: | M. Verboom-Jansen MSc |
| Kunde: | Van Es Architekten |
| Zuständige Behörde: | Gemeente Gorinchem |
| Beginn der Forschung: | Juli 2018 |
| Funde & Dokumentation: | - |
| IN: | - |

