Forschung
Visualisierungen der zukünftigen Situation von Movares
Diese archäologische Schreibtischstudie wurde erstellt von Das Bridge Office in Autrag gegeben von Movares. Anlass dieser Untersuchung sind geplante Arbeiten am Bahnhof Gorinchem, für die gemäß Flächennutzungsplan eine Umweltgenehmigung erforderlich ist.
Der Bahnhof verfügt derzeit über einen Seitenbahnsteig und einen Mittelbahnsteig. Der Inselbahnsteig wird nur teilweise genutzt: Züge halten nur auf der Nordseite, auf der Südseite befindet sich ein Zaun an der Bahnsteigkante. Geplant ist der Rückbau des Mittelbahnsteigs und der Bau eines neuen Seitenbahnsteigs auf der Nordseite der Gleise. Es wird ein neuer Tunnel mit einem Aufzug auf der Bahnhofsseite und einer Rampe auf der Nordseite gebaut. Das Plangebiet hat eine Fläche von ca. 8500 m² und wird im Süden durch den Stationsweg und im Norden durch das Lindelaantje begrenzt.
Erwartungen
Nach Angaben der Gemeinde Erwartungskarte Seit 2009 besteht eine hohe Erwartung, dass an oder nahe der Oberfläche Überreste aus der Vorgeschichte bis zum Mittelalter gefunden werden. Diese hohe Erwartung hängt mit der vermuteten Lage des Linge-Flussgürtels im Untergrund zusammen. Neuere Daten (2012) verorten den römischen Flussgürtel der Linge deutlich weiter östlich. Aufgrund dieser neuen Daten ist davon auszugehen, dass sich das Plangebiet in einem bebauten Gebiet befindet. Auch geologische Bohruntersuchungen aus dem Jahr 1963 belegen, dass es sich tatsächlich um Beckenböden handelt. In prähistorischer Zeit war die Region mit ihren Tiefebenen oft zu nass zum Bewohnen, mit Ausnahme der höher gelegenen Teile der Landschaft, der sogenannten Flussdünen und Bachgürtel. Daher sind die Erwartungen an die Schüsselböden gering. Funde aus der Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit sind in dieser Region rar. Römische Funde im nahegelegenen Leerdam bestätigen, dass das Flussufer der Linge in der Römerzeit bewohnt war. Da sich dieses Flussufer jedoch weiter östlich befand, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich innerhalb des Plangebiets römische Überreste befinden, gering. Ab der Spätrömischen Epoche kam es zu zahlreichen Überschwemmungen und die Bevölkerungszahl der Region ging zurück.
Der Alblasserwaard blieb wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte lang unbewohnt, aber das Gebiet könnte während dieser Zeit besucht worden sein. Aus dieser Zeit gibt es bisher keine nennenswerten archäologischen Funde (3de bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. bekannt). Ab dem Hochmittelalter war das Gebiet wieder intensiver besiedelt, obwohl es sich um das Jahr 1000 noch immer um ein ausgedehntes Torfmoor handelte, aus dem hier und da eine Düne und einige Bachwälle hervorragten. Vom 11.de Jahrhundert wurde das Torfgebiet erschlossen und es entstanden Siedlungen. Aus den Siedlungen entwickelten sich Dörfer, von denen einige, wie beispielsweise Gorinchem, das Stadtrecht erhielten. Die meisten Gebäude im zurückgewonnenen ländlichen Gebiet befanden sich entlang von Gewässern und Straßen. Auf der Katasterkarte von 1811 sind in der Nähe des Plangebiets der alte Deich der Festung und die Straße entlang des Kanals nach Arkel eingezeichnet, jedoch keine Gebäude. Auf der Grundlage historischer Karten gibt es keine Hinweise auf eine spätmittelalterliche oder neuzeitliche Bebauung. Bis zum Bau der Bahnstrecke und des Bahnhofs war das Plangebiet eine Sumpfzone in einem ansonsten landwirtschaftlich genutzten Gebiet.
Schlussfolgerungen
Nur wenn sich innerhalb des Plangebiets eine unentdeckte Düne befindet, auf der eine Besiedlung von der Urzeit bis in die Römerzeit möglich war, bleibt die hohe Erwartung gemäß der kommunalen Erwartungskarte bestehen. Die Chance, dass sich hier im überfüllten Bahnhofsbereich tatsächlich ein unentdeckter Esel befindet, ist sehr gering. Aufgrund der Lage in einem Beckengebiet sind die archäologischen Erwartungen eher gering einzuschätzen. Auch für den Zeitraum Mittelalter-Neuzeit sind die Erwartungen gering. Da die Region erschlossen und nicht besiedelt war, wurde das Gebiet vermutlich nur landwirtschaftlich genutzt. Auf der Karte von 1811 liegt das Plangebiet größtenteils in einem Sumpfgebiet und ist daher nicht zum Wohnen geeignet. Außer bahn- und bahnhofsnahen Gebäuden aus dem Jahr 1883 gibt es im Plangebiet keine Hinweise auf Gebäude.
Basierend auf der Sekundärforschung gilt für alle Zeiträume für das aktuelle Plangebiet eine niedrige Erwartung. Diese geringe Erwartungshaltung beruht auf der kleinräumigen Lage des Plangebietes – wie auch geologische Bohrungen belegen. Das Beckengebiet war von der Vorgeschichte bis ins Frühmittelalter zu feucht für eine Besiedlung (mit Ausnahme einiger höherer Dünen oder Flussufer). Ab dem Mittelalter wurde das umliegende Gelände des Plangebietes erschlossen und für die landwirtschaftliche Nutzung nutzbar gemacht. Die Bevölkerung konzentrierte sich hauptsächlich entlang historischer Straßen, die historischen Karten zufolge nicht im Plangebiet liegen. Auch durch den Bau der heutigen Gleise und des Bahnhofs Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu Bodenschäden.de Jahrhundert wohl schon gestört. Darüber hinaus war es in der Zeit davor ein Sumpf, der zweifellos für den Bau der Eisenbahn und des Bahnhofs aufgeschüttet wurde; eine ursprüngliche Bodenstruktur ist somit nicht mehr vorhanden. Der geplante Eingriff erfolgt in diesem unübersichtlichen Bahnhofs- und Bahnbereich, in dem auch aufgrund der Lage im Stadtgebiet keine erhaltenswerten archäologischen Überreste zu erwarten sind. Buro de Brug rät daher von weiteren archäologischen Untersuchungen ab.
Veröffentlichung
![]() |
Kant, K.M. van der (2016) Archäologische Sekundärforschung Passagiertunnel Bahnhof Gorinchem, Buro de Brug Berichte B16-283, Amsterdam. Flipbook | PDF (2 MB), Anhang 1 (4 MB), Anhang 2 (1 MB) |
Historische Fotos Bahnhof
Metadaten
| Archis-Nummer(n): | 4003549100 |
| Topografische Karte: | 38G |
| Koordinaten: | 126.138/427.404 126.048/427.286 |
| Ortsname: | Personentunnel am Bahnhof Gorinchem |
| Ort: | Gorinchem |
| Gemeinde: | Gorinchem |
| Provinz: | Süd-Holland |
| Art der Forschung: | Sekundärforschung |
| Testamentsvollstrecker: | Das Bridge Office |
| Projektleiter: | Drs. JW Oudhof |
| Kunde: | Bewegt sich |
| Zuständige Behörde: | Gemeente Gorinchem |
| Beginn der Forschung: | 28. Juni 2016 |
| Dokumentation: | Das Bridge Office |
| IN: | https://doi.org/10.17026/dans-zc7-r3me |



