Gorinchem verlegt rituelles Bad unter die Erde, eine Mikwe zwischen den Pfählen

GORINCHEM – Unter einem Betonboden und zwischen den Pfählen bewahrt Gorinchem ein besonderes Überbleibsel der jüdischen Gemeinde, die vor allem im vergangenen Jahrhundert in der Stadt florierte: eine Mikwe, ein rituelles Bad, in dem sich Frauen monatlich reinigten. „Ein solcher Badeort ist unter der Erde am besten erhalten“, sagt Martin Veen von der Archäologischen Arbeitsgruppe Gorinchem.

Gorinchem verlegt rituelles Bad unter die Erde, eine Mikwe zwischen den Pfählen

Die Mikwe wird wieder begraben

Von der Mikwe ist nichts mehr zu sehen. Das kleine Becken, keine zwei mal anderthalb Meter groß, liegt unter Lehm und rauem Gestein begraben. Bauarbeiter stampfen über das Gelände, um das Fundament für ein Einkaufszentrum vorzubereiten.

Letzte Woche stießen Archäologen aus Gorinchem auf die Mikwe. Das war nicht ganz unerwartet: Sie wussten, dass der Standort auf dem Kindergartenstraße Früher hatte hier eine Synagoge gestanden. Aus den Angaben ging hervor, dass beim Konsistorium ein Zugang zum Badeplatz vorhanden war. Wo genau dieser sich befand, war jedoch unbekannt.

Nach der Entdeckung fanden umgehend Beratungen zwischen der archäologischen Arbeitsgruppe, der Stadtverwaltung, einer Vertretung der kleinen jüdischen Gemeinde in Gorinchem und dem Projektentwickler ING Vastgoed statt. „Wir beschlossen, die Mikwe im Boden zu belassen, nicht an derselben Stelle, sondern einige Meter entfernt, da das Fundament sonst mitten durch sie hindurch verlaufen würde“, sagt Veen.

Ein besserer Standort sei undenkbar, glaubt der Archäologe. „Wir haben überlegt, die Mikwe unter eine Glasplatte zu stellen, damit sie für die Käufer sichtbar wäre. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Das ist teuer und passt nicht zum intimen Charakter des Bades.“

In der jüdischen Tradition nehmen Frauen nach ihrer Menstruation ein reinigendes Bad. Auch eine Braut taucht kurz vor dem Hochzeitstag ein. Das Wasser wird nach jedem Gebrauch gewechselt. In der Synagoge von Gorinchem wurde das Wasser mit einer Kurbelpumpe gesammelt. Auch diese Pumpe wurde übrigens von der Arbeitsgruppe gefunden.

Die jüdische Gemeinde in Gorinchem blühte besonders im 130. Jahrhundert auf. 1841 wurde eine Synagoge für die 95 Mitglieder gebaut. Nebenan entstand eine Schule, und die Gemeinde leistete auch viel Armenfürsorge. Nach der Jahrhundertwende nahm die Besucherzahl ab. Die 35 Sitzplätze, davon XNUMX auf der Frauenempore, waren während der Gottesdienste bei weitem nicht besetzt. Während des Zweiten Weltkriegs schrumpfte die Gemeinde.

Die Synagoge wurde 1958 abgerissen. Von der Innenausstattung ist kaum etwas erhalten. Veen: „Um die Erinnerung an die jüdische Gemeinde wach zu halten, wollen wir eine Gedenktafel in die Fassade eines Ladens einbauen.“

Übrigens ist es nicht unmöglich, dass in Gorinchem eine Mikwe entsteht. 1902 beschloss die jüdische Gemeinde, neben der Synagoge ein Haus zu bauen. Drei Familien lebten dort. Auch dort wurde eine neue Mikwe eingerichtet. „Das Gebäude steht noch“, sagt Veen. „Ich weiß nicht, was mit der Mikwe passiert ist. Das Bad befindet sich möglicherweise unter einem Holzboden.“

Reformierte Tageszeitung
17. März 2000

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