GORINCHEM – Zwei rostige Schusswaffen mit passenden Bajonetten und ein Säbel sind ein ungewöhnliches Geschenk eines Einwohners der Stadt an die Gorcum MuseumExperten sind der Meinung, dass sie unbedingt erhaltenswert sind.

Waffen aus dem Hafen von Gorcum
Die Waffen – ein Gewehr, ein Karabiner und ein Offizierssäbel – wurden vor etwa 25 Jahren bei Baggerarbeiten im Gorcum Vluchthaven, etwas außerhalb der Stadt, gefunden. Das ist sicher, aber wie sie in private Hände gelangten, ist unklar. Jedenfalls erhielt Martin Veen vom städtischen Depot für Bodenfunde in Gorinchem eines Tages einen Anruf von Museumsdirektor Rob Kreszner, der ihn über die besondere Schenkung informierte. Und nun liegen die Waffen im Depot.
Deutsche
"„Wir werden sie auf jeden Fall konservieren, damit sich ihr Zustand nicht verschlechtert“, sagt Veen. Vor ihm liegen die Schusswaffen, die einst in den Händen niederländischer Soldaten gewesen sein müssen. Sie wurden höchstwahrscheinlich ins Wasser geworfen, nachdem die Niederlande im Mai 1940 vor den Deutschen kapituliert hatten. „Das scheint eine logische Erklärung, aber wir können es natürlich nicht mehr beweisen.“ Das Gewehr und der Karabiner tragen beide die Fabrikmarke Hembrug, die damalige staatliche Waffenfabrik in der Nähe von Amsterdam. Neben dem Namen steht eine Jahreszahl. Das zeigt, dass das Gewehr 1905 hergestellt worden sein muss, der Karabiner dreizehn Jahre später. Beide Waffen waren bis 1940 Standard in der niederländischen Armee. Der Säbel ist deutlich älter und wurde irgendwann zwischen 1813 und 1905 hergestellt. Er hatte vermutlich nur eine symbolische Funktion. Das belegen Untersuchungen von Dr. Arjen Bosman, einem Militärexperten aus Dordrecht. Das städtische Depot für Bodenfunde hatte ihn aufgrund der Besonderheit des Fundes beauftragt. „Er ist eine Autorität auf dem Gebiet der niederländischen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts“, sagt Veen.
Dreck
Trotz ihres rostigen Aussehens sind die Waffen in gutem Zustand. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie fast ein halbes Jahrhundert lang im Schlamm auf dem Hafengrund gelegen haben. Gerade durch den Schlamm ist die Korrosion begrenzt. Sogar Teile der Lederriemen sind erhalten geblieben. Der Karabiner hat sogar noch seinen Holzschaft. Der fehlt beim Gewehr.“ Bosman rät, die Waffen restaurieren zu lassen. Sie sind nicht selten, sondern haben einen anekdotischen Wert. „Wir haben wenig historisches Material aus dem Zweiten Weltkrieg. Und das, obwohl Gorinchem eine lange Militärgeschichte hat“, sagt Veen.
Anja Broeken
AD Rivierenland
19 – 9‑2013